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Stoffwechsel & Gewicht

Stoffwechsel & Gewicht

Maridebart cafraglutid

MariTide · AMG 133 · Maridebart cafraglutide

In Prüfung

Maridebart cafraglutid (Studienname MariTide, früher AMG 133) ist ein experimenteller Wirkstoff des Herstellers Amgen zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Es handelt sich um ein Peptid-Antikörper-Konjugat mit ungewöhnlichem, zweifachem Wirkprinzip: Es aktiviert den GLP-1-Rezeptor und blockiert zugleich den GIP-Rezeptor. Das unterscheidet es grundlegend von Tirzepatid, das den GIP-Rezeptor stimuliert statt hemmt. Durch die lange Wirkdauer (berichtete Halbwertszeit rund drei Wochen) wird eine monatliche oder seltenere Injektion untersucht — statt wöchentlich wie bei den bisher zugelassenen Inkretin-Wirkstoffen. In einer Phase-2-Studie (NCT05669599, publiziert im New England Journal of Medicine, Juni 2025) erreichten Teilnehmende ohne Typ-2-Diabetes nach 52 Wochen im Mittel bis zu rund 20 Prozent Gewichtsverlust, mit Typ-2-Diabetes bis zu rund 17 Prozent. Ein umfangreiches Phase-3-Programm (MARITIME) läuft. Wichtig zur Einordnung: Der Wirkstoff ist bislang in keiner Region zugelassen und ausschließlich Gegenstand klinischer Forschung.

Regulatorischer Status

Nur in klinischer Prüfung · nicht zugelassen

Nicht zugelassen — ausschließlich Prüfpräparat in klinischer Phase-3-Erprobung.

Wirkstoffklasse

Peptid-Antikörper-Konjugat: bispezifischer GLP-1-Rezeptoragonist und GIP-Rezeptor-Antagonist (langwirksam, monatliche Gabe untersucht)

Halbwertszeit (informativ)

In der Fachberichterstattung mit rund 21 Tagen (etwa drei Wochen) angegeben — deutlich länger als bei wöchentlich verabreichten Inkretin-Wirkstoffen; dies begründet die untersuchte monatliche oder seltenere Gabe.

In der Literatur untersucht

Subkutane Injektion (in den Studien monatlich oder in noch größeren Abständen).

Wirkmechanismus

Maridebart cafraglutid

Maridebart cafraglutid vereint zwei Wirkungen in einem Molekül. Der Peptid-Anteil aktiviert den GLP-1-Rezeptor (Glucagon-like Peptide-1) — derselbe Angriffspunkt wie bei Semaglutid: gesteigertes Sättigungsgefühl, verlangsamte Magenentleerung, verbesserte Blutzuckerregulation. Der Antikörper-Anteil blockiert dagegen den GIP-Rezeptor (glucose-dependent insulinotropic polypeptide). Genau hier liegt die Besonderheit: Während Tirzepatid den GIP-Rezeptor stimuliert, wirkt Maridebart cafraglutid dort als Antagonist. Dass sowohl GIP-Agonismus (Tirzepatid) als auch GIP-Antagonismus (dieser Wirkstoff) zu Gewichtsverlust führen können, ist ein offenes und wissenschaftlich diskutiertes Feld — der genaue Beitrag der GIP-Blockade zum Gesamteffekt ist beim Menschen noch nicht abschließend geklärt. Die Kopplung an ein Antikörper-Gerüst verlängert die Verweildauer im Körper deutlich, was die untersuchte monatliche Gabe ermöglicht.

Langwirksam durch das Peptid-Antikörper-Konjugat-Format. Gastrointestinale Effekte (v. a. Übelkeit, Erbrechen) traten dosisabhängig auf; das Phase-3-Programm setzt auf eine einschleichende Dosissteigerung, um die Verträglichkeit zu verbessern. Konkrete Dosisangaben sind Gegenstand der Studienprotokolle und werden hier bewusst nicht wiedergegeben.

Forschungsgeschichte

AMG 133 stammt aus der Forschung von Amgen und durchlief zunächst frühe klinische Studien (Phase 1). Unter dem Studiennamen MariTide und der späteren Wirkstoffbezeichnung Maridebart cafraglutid rückte der Kandidat in den Fokus, als Amgen im November 2024 erste 52-Wochen-Ergebnisse einer Phase-2-Studie ankündigte. Die vollständigen Primärdaten wurden im Juni 2025 auf den 85. Wissenschaftlichen Sitzungen der American Diabetes Association vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine publiziert (NCT05669599). Parallel startete Amgen das breit angelegte Phase-3-Programm MARITIME mit Studien zu Adipositas (MARITIME-1), Typ-2-Diabetes mit Übergewicht (MARITIME-2) sowie geplanten bzw. laufenden Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinsuffizienz, Nierenerkrankung und obstruktiver Schlafapnoe. Amgen bezeichnet MARITIME als eines der größten klinischen Programme der Firmengeschichte.

Positive Aspekte

Was die Forschung Vielversprechendes zeigt

Forschungsfelder

  • Adipositas / chronisches Gewichtsmanagement
  • Typ-2-Diabetes mit Übergewicht oder Adipositas
  • Atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (geplant/laufend, Phase 3)
  • Herzinsuffizienz (geplant/laufend, Phase 3)
  • Obstruktive Schlafapnoe (geplant/laufend, Phase 3)
  • Nierenerkrankung (im Phase-3-Programm adressiert)
  • Erhöhter Leberfettgehalt / metabolische Lebererkrankung (eigene Studie)

Dokumentierte Effekte (aus der Literatur)

  • Gewichtsverlust nach 52 Wochen im Mittel bis zu rund 20 % bei Teilnehmenden ohne Typ-2-Diabetes (vs. 2,6 % unter Placebo) — Phase-2-Daten
  • Gewichtsverlust nach 52 Wochen im Mittel bis zu rund 17 % bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes (vs. 1,4 % unter Placebo) — Phase-2-Daten
  • Der Gewichtsverlust hatte nach 52 Wochen noch kein Plateau erreicht (laut Hersteller Hinweis auf mögliche weitere Abnahme)
  • Verbesserungen von Blutzucker-Parametern bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes (Studienkontext)

Risikoanalyse

Was kritisch und ehrlich einzuordnen ist

Zulassungsstatus nach Region

USA (FDA)·Nicht zugelassen

Prüfpräparat; keine Zulassung. Phase-3-Programm MARITIME läuft; Primärauswertungen der Kernstudien werden um 2027 erwartet.

EU (EMA)·Nicht zugelassen

Keine Zulassung in der Europäischen Union. Nur im Rahmen klinischer Studien verfügbar.

Global·Nicht zugelassen

In keiner Region als Arzneimittel zugelassen (Stand 2026). Verfügbarkeit ausschließlich über kontrollierte klinische Prüfungen.

Sicherheitsbedenken & Vorsicht

  • Gastrointestinale Nebenwirkungen (v. a. Übelkeit und Erbrechen) waren die häufigsten unerwünschten Ereignisse; laut Hersteller überwiegend leicht bis mittelschwer, aber teils deutliche Erbrechensraten
  • Therapieabbrüche wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen traten auf; das Phase-3-Programm nutzt eine einschleichende Dosissteigerung, um dies zu verringern
  • Langzeitsicherheit, Herz-Kreislauf-Nutzen und Effekte über 52 Wochen hinaus sind noch nicht belegt — Phase-3-Ergebnisse stehen aus
  • Der Beitrag der GIP-Rezeptor-Blockade zum Gesamteffekt und ihre Langzeitfolgen sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt
  • Wie bei GLP-1-basierten Wirkstoffen ist mit Muskel-/Magermasseverlust und gastrointestinaler Belastung zu rechnen; Datenlage beim Menschen noch begrenzt

Risiken des Graumarkt-Bezugs

  • Da nicht zugelassen, existiert kein legales Fertigarzneimittel — jedes außerhalb einer klinischen Studie angebotene Produkt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht, falsch deklariert oder ohne jede Qualitätskontrolle hergestellt
  • Als komplexes Peptid-Antikörper-Konjugat ist der Wirkstoff extrem aufwendig herzustellen; als 'Research Chemical' oder Graumarkt-Pulver verkaufte Ware kann den echten Wirkstoff faktisch nicht enthalten
  • Keine geprüfte Reinheit, Identität, Sterilität oder Dosierung — Verunreinigungen, Endotoxine und Fehldeklaration bergen erhebliche Gesundheitsrisiken
  • Selbstanwendung ohne ärztliche Begleitung entzieht sich der in den Studien vorgesehenen Kontrolle von Verträglichkeit und Nebenwirkungen
  • Werbeversprechen im Graumarkt ('bis zu 20 % Gewichtsverlust') stützen sich auf Studiendaten unter kontrollierten Bedingungen und lassen sich nicht auf ungeprüfte Produkte übertragen

Häufige Fragen

Ist Maridebart cafraglutid (MariTide) schon erhältlich oder zugelassen?

Nein. Der Wirkstoff ist in keiner Region als Arzneimittel zugelassen und befindet sich in der klinischen Phase-3-Erprobung. Legal verfügbar ist er ausschließlich über die Teilnahme an kontrollierten klinischen Studien. Primärauswertungen der Kernstudien werden um 2027 erwartet.

Worin unterscheidet es sich von Tirzepatid oder Semaglutid?

Semaglutid wirkt allein am GLP-1-Rezeptor, Tirzepatid aktiviert zusätzlich den GIP-Rezeptor. Maridebart cafraglutid aktiviert zwar ebenfalls GLP-1, blockiert aber den GIP-Rezeptor — es wirkt dort also gegenteilig zu Tirzepatid. Zudem wird eine monatliche statt wöchentliche Gabe untersucht. Dass sowohl GIP-Stimulation als auch GIP-Blockade beim Abnehmen helfen können, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig verstanden.

Wie viel Gewichtsverlust wurde in den Studien berichtet?

In der Phase-2-Studie (publiziert im NEJM, 2025) betrug der mittlere Gewichtsverlust nach 52 Wochen bei Teilnehmenden ohne Typ-2-Diabetes bis zu rund 20 Prozent (gegenüber 2,6 Prozent unter Placebo) und mit Typ-2-Diabetes bis zu rund 17 Prozent (gegenüber 1,4 Prozent). Diese Zahlen stammen aus einer kontrollierten Studie und sind nicht auf eigenständige Anwendung übertragbar. Die Langzeitsicherheit ist noch nicht belegt.

Welche Nebenwirkungen wurden beobachtet?

Am häufigsten waren Magen-Darm-Beschwerden, vor allem Übelkeit und Erbrechen — laut Hersteller überwiegend leicht bis mittelschwer, teils aber mit deutlichen Erbrechensraten und einzelnen Therapieabbrüchen. Das Phase-3-Programm setzt daher auf eine langsam einschleichende Dosissteigerung. Aussagen zur Langzeitsicherheit sind noch nicht möglich.

Quellen

Primär- und Referenzquellen zum eigenständigen Nachlesen.

Verwandte Substanzen

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