Zum Inhalt springen

Nur zu Informations- & Bildungszwecken — keine medizinische Beratung, keine Dosierungs- oder Anwendungsempfehlung.

Einsteiger-Ansicht — alles einfach erklärt.

Einsteiger-AnsichtEinfach erklärt — Hype vs. Realität in einer Minute
Hormonsystem & Fortpflanzung

Hormonsystem & Fortpflanzung

Glepaglutid

Glepaglutide · ZP1848 · Zeydovio · Glepaglutid-Acetat

In Prüfung

Glepaglutid (INN glepaglutide, Entwicklungscode ZP1848, in der EU als Zeydovio geführt) ist ein synthetisches, langwirksames Analogon des körpereigenen Darmhormons GLP-2 (Glucagon-like Peptide-2) des dänischen Unternehmens Zealand Pharma. Es wird als subkutan zu verabreichender Wirkstoffkandidat für das Kurzdarmsyndrom (SBS) bei Erwachsenen entwickelt – einer seltenen Erkrankung, bei der nach ausgedehnter Darmentfernung zu wenig Nährstoffe und Flüssigkeit aufgenommen werden und Betroffene auf parenterale (intravenöse) Ernährung angewiesen sind. In der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie EASE-1 (NCT03690206, 106 Erwachsene) senkte die zweimal wöchentliche Gabe das benötigte parenterale Volumen nach 24 Wochen statistisch signifikant stärker als Placebo, während die einmal wöchentliche Gabe den Endpunkt nicht erreichte. Die US-Behörde FDA lehnte die Zulassung am 19.12.2024 mit einem Complete Response Letter ab und empfahl eine weitere Studie; in der EU empfahl der CHMP am 17.09.2026 die Zulassung, die Entscheidung der EU-Kommission stand zum Stand Oktober 2026 jedoch noch aus. Alle Wirksamkeitsaussagen stammen aus klinischen Studien; ein Marktzugang ist bislang nirgends erfolgt.

Regulatorischer Status

Nur in klinischer Prüfung · nicht zugelassen

Prüfpräparat in der Zulassungsprüfung – Stand Oktober 2026 in keiner Region zur Anwendung zugelassen: In der EU empfahl der CHMP am 17.09.2026 die Zulassung (Handelsname Zeydovio), die Entscheidung der EU-Kommission stand noch aus; in den USA erging am 19.12.2024 ein Complete Response Letter der FDA, eine bestätigende Phase-3-Studie rekrutiert seit Februar 2026.

Wirkstoffklasse

Langwirksamer GLP-2-Rezeptoragonist (synthetisches Peptid-Analogon, subkutan) – Prüfpräparat in der Zulassungsprüfung

Halbwertszeit (informativ)

Beschreibend: Glepaglutid ist als langwirksames GLP-2-Analogon konzipiert und wurde in den Zulassungsstudien in einem zweimal wöchentlichen Rhythmus subkutan untersucht – anders als das körpereigene GLP-2, das binnen Minuten durch das Enzym DPP-4 abgebaut wird. Diese Seite nennt bewusst keine anwendbaren pharmakokinetischen Kennwerte, Dosismengen oder Konzentrationen.

In der Literatur untersucht

Subkutane Injektion. In der zulassungsrelevanten Studie EASE-1 wurden zwei Gabe-Rhythmen (zweimal bzw. einmal wöchentlich) gegen Placebo geprüft; für die Verabreichung wurde ein Autoinjektor untersucht. Dies ist keine Anwendungsanweisung, sondern beschreibt ausschließlich, wie der Stoff in Studien untersucht wurde.

Wirkmechanismus

Glepaglutid

Glepaglutid ist ein langwirksames Analogon des menschlichen GLP-2. GLP-2 wird natürlicherweise von den L-Zellen des Darms ausgeschüttet und fördert Wachstum und Funktion der Darmschleimhaut. Laut der Bewertung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) steigert Glepaglutid die Durchblutung von Darm und Pfortader, verringert die Magensäuresekretion und die Darmbeweglichkeit und regt das Wachstum der Darmschleimhaut an. Ziel ist, die Anpassung (Adaptation) des Restdarms zu unterstützen und so die Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeit zu verbessern und den Bedarf an parenteraler Ernährung zu senken. Das körpereigene GLP-2 hat nur eine Wirkdauer von wenigen Minuten, weil es rasch durch das Enzym DPP-4 abgebaut wird; Glepaglutid ist als langwirksames Analogon so gestaltet, dass es deutlich länger wirkt und in den Studien in einem zweimal wöchentlichen Rhythmus geprüft wurde. GLP-2 gehört zur selben Proglucagon-abgeleiteten Hormonfamilie wie GLP-1, wirkt aber über einen eigenen Rezeptor und zielt auf eine andere Indikation – es ist ausdrücklich kein Stoffwechsel- oder Abnehmwirkstoff wie die GLP-1-Mittel Semaglutid oder Tirzepatid.

Die verlängerte Wirkdauer gegenüber dem körpereigenen GLP-2 ist die Grundlage für die untersuchte, nur zweimal wöchentliche Gabe. Konkrete Dosismengen, Konzentrationen, Dosisstufen oder Zubereitungs- und Injektionsanleitungen werden hier bewusst nicht genannt – dies ist eine edukative Einordnung, kein Anwendungsleitfaden. Solche Angaben gehören ausschließlich in die Hand behandelnder, auf das Kurzdarmsyndrom spezialisierter Ärztinnen und Ärzte im Rahmen einer Behandlung oder Studie.

Forschungsgeschichte

Glepaglutid (Entwicklungscode ZP1848) wurde von Zealand Pharma A/S (Dänemark) als langwirksames GLP-2-Analogon für das Kurzdarmsyndrom entwickelt. Die zulassungsrelevante Phase-3-Studie EASE-1 (NCT03690206) startete am 04.10.2018 und wurde am 26.07.2022 abgeschlossen; sie schloss 106 Erwachsene ein und verglich eine zweimal wöchentliche Gabe, eine einmal wöchentliche Gabe und Placebo (quadruple-maskiert). Auf Basis des EASE-Programms reichte Zealand eine Zulassung (New Drug Application) bei der US-Behörde FDA ein. Am 19.12.2024 teilte Zealand einen Complete Response Letter der FDA mit: Die Unterlagen belegten aus Sicht der Behörde nicht in vollem Umfang die Wirksamkeit und Sicherheit der zu vermarktenden Dosierung; die FDA empfahl eine zusätzliche klinische Studie. Am 02.06.2025 gab Zealand die Einreichung des EU-Zulassungsantrags (Marketing Authorization Application) bei der EMA bekannt, gestützt auf EASE-1 als Pivotstudie, Zwischenergebnisse der Verlängerungsstudien EASE-2 und EASE-3 sowie die mechanistische Studie EASE-4 (Phase 3b). Als bestätigende Studie begann die Phase-3-Studie EASE SBS 5 (NCT07197944), die laut Register seit dem 11.02.2026 rekrutiert. Am 17.09.2026 sprach der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA eine positive Zulassungsempfehlung für den Handelsnamen Zeydovio aus; die abschließende Entscheidung der EU-Kommission stand Stand Oktober 2026 noch aus. Die vollständigen EASE-1-Ergebnisse erschienen peer-reviewed in der Fachzeitschrift Gastroenterology (Druckausgabe April 2025, vorab online am 19.12.2024). Kontext: Das etablierte GLP-2-Analogon beim Kurzdarmsyndrom ist bislang Teduglutid (Revestive/Gattex); ein weiterer Kandidat derselben Klasse in Phase 3 ist Apraglutid.

Positive Aspekte

Was die Forschung Vielversprechendes zeigt

Forschungsfelder

  • Kurzdarmsyndrom mit Darmversagen (SBS-IF) bei parenteral ernährungsabhängigen Erwachsenen – Senkung des Bedarfs an parenteraler Ernährung/Flüssigkeit (Pivotstudie EASE-1; bestätigende Studie EASE SBS 5 seit 2026)
  • Förderung der intestinalen Adaptation und des Darmschleimhautwachstums
  • Langzeit-Wirksamkeit und -Sicherheit in den Verlängerungsstudien EASE-2 und EASE-3
  • Mechanistische Effekte auf die intestinale Flüssigkeits- und Energieaufnahme (Studie EASE-4)

Dokumentierte Effekte (aus der Literatur)

  • EASE-1 (Phase 3, NCT03690206, 106 Erwachsene mit Kurzdarmsyndrom; peer-reviewed in Gastroenterology 2025): Die zweimal wöchentliche Gabe senkte das wöchentlich benötigte parenterale Volumen nach 24 Wochen statistisch signifikant stärker als Placebo (p=0,0039).
  • EASE-1: Die einmal wöchentliche Gabe führte zwar zu einer zahlenmäßigen Reduktion, erreichte aber bei keinem primären oder wichtigen sekundären Endpunkt die statistische Signifikanz.
  • EASE-1 (Gastroenterology 2025): Unter der zweimal wöchentlichen Gabe erreichten 65,7 % eine Reduktion des parenteralen Bedarfs um mindestens 20 % (Wochen 20 und 24) gegenüber 38,9 % unter Placebo (p=0,0243).
  • EASE-1 (Gastroenterology 2025): Im zweimal wöchentlichen Arm wurden 5 Behandelte (14 %, also „etwa einer von sieben“, wie auch die EMA/CHMP-Bewertung formuliert) nach 24 Wochen vollständig unabhängig von parenteraler Ernährung und Flüssigkeit (enterale Autonomie); in der Placebogruppe keiner. Über beide Glepaglutid-Arme zusammengenommen berichtete der Hersteller neun vollständig Entwöhnte.
  • Häufige unerwünschte Wirkungen laut EMA-Bewertung: Reaktionen an der Injektionsstelle, Stoma-Komplikationen (bei Personen mit Stoma), Bauchschmerzen, Blähbauch/abdominelle Blähung, Übelkeit, Flüssigkeitseinlagerung/-überladung und Erbrechen.

Risikoanalyse

Was kritisch und ehrlich einzuordnen ist

Zulassungsstatus nach Region

EU (EMA)·Noch nicht zugelassen – CHMP-Empfehlung liegt vor

Antragsteller ist Zealand Pharma A/S. Nach Einreichung des Zulassungsantrags am 02.06.2025 sprach der CHMP am 17.09.2026 eine positive Zulassungsempfehlung für Zeydovio aus – zur Behandlung Erwachsener mit Kurzdarmsyndrom, die nach einer Phase der Darmanpassung infolge einer Operation stabil sind. Die verbindliche Entscheidung trifft anschließend die EU-Kommission; sie stand Stand Oktober 2026 laut EMA-Seite noch aus (das Produkt steht dort weiterhin im Gutachten-Stadium). Erst nach einer Zulassung durch die EU-Kommission wird die vollständige Fachinformation (SmPC) veröffentlicht.

USA (FDA)·Nicht zugelassen – Complete Response Letter

Zealand teilte am 19.12.2024 einen Complete Response Letter der FDA mit: Die eingereichten Daten belegten aus Sicht der Behörde nicht in vollem Umfang die Wirksamkeit und Sicherheit der zu vermarktenden Dosierung; die FDA empfahl eine zusätzliche klinische Studie. Zealand erklärte, mit der FDA einen Weg zur Zulassung abstimmen zu wollen. Die bestätigende Phase-3-Studie EASE SBS 5 (NCT07197944, randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, geplant rund 90 Teilnehmende) rekrutiert laut Register seit dem 11.02.2026; der primäre Abschluss wird auf den 23.10.2028 geschätzt.

Deutschland·Nicht verfügbar

Als zentral über die EMA laufendes Verfahren würde eine Verfügbarkeit in Deutschland erst nach einer Zulassungsentscheidung der EU-Kommission folgen; diese stand Stand Oktober 2026 noch aus. Ein regulärer Zugang besteht derzeit nicht; allenfalls kommt eine Teilnahme an einer klinischen Studie in Betracht. Das in der EU bereits verfügbare GLP-2-Analogon beim Kurzdarmsyndrom ist bislang Teduglutid.

Sicherheitsbedenken & Vorsicht

  • Nicht zugelassen: Wirksamkeit und Sicherheit sind behördlich noch nicht abschließend bestätigt – die FDA forderte 2024 eine weitere Studie, und die EU-Kommission hatte Stand Oktober 2026 noch nicht entschieden.
  • Die einmal wöchentliche Gabe verfehlte in EASE-1 den primären Endpunkt; der belegte Nutzen bezieht sich auf die zweimal wöchentliche Gabe und vor allem auf die Volumenreduktion, nicht auf ein regelhaftes vollständiges Absetzen der parenteralen Ernährung.
  • Die FDA bemängelte 2024 ausdrücklich, die Evidenz zur zu vermarktenden Dosierung reiche nicht aus – ein offener Punkt, den die bestätigende Studie EASE SBS 5 klären soll.
  • Als GLP-2-Agonist regt der Wirkstoff Zellwachstum in der Darmschleimhaut an; bei GLP-2-Analoga werden als Klasse klassentypisch erwartete Risiken wie proliferative Effekte (u. a. auf Polypen/Neubildungen), Veränderungen an Gallenblase und Bauchspeicheldrüse sowie Flüssigkeitsüberladung sorgfältig überwacht. Ob diese im Einzelfall auftreten, lässt sich nur ärztlich beurteilen.
  • Kurzdarmsyndrom ist eine schwere, komplexe Erkrankung mit lebenswichtiger parenteraler Ernährung; Therapieentscheidungen gehören zwingend in spezialisierte ärztliche Hände.

Risiken des Graumarkt-Bezugs

  • Glepaglutid ist ein nicht zugelassenes Prüfpräparat: Jedes außerhalb einer kontrollierten Studie oder – nach etwaiger Zulassung – außerhalb der ärztlichen Verordnung angebotene Material ist Graumarktware ohne behördliche Qualitätskontrolle.
  • „Research-Chemical“-Angebote (Peptidpulver aus dem Graumarkt) bieten keinerlei Gewähr für Identität, Reinheit, Sterilität, korrekten Gehalt oder Freiheit von Verunreinigungen und Endotoxinen.
  • Bei einer so schweren Grunderkrankung können Selbstexperimente mit Graumarkt-Peptiden eine lebenswichtige parenterale Ernährung gefährden und sind hochriskant.
  • Es existiert keine seriöse Anwendung außerhalb ärztlicher Aufsicht; Bezugsquellen, Bezugswege sowie Dosis- oder Anwendungsanleitungen werden auf dieser Seite bewusst nicht genannt.

Häufige Fragen

Ist Glepaglutid dasselbe wie eine Abnehmspritze (GLP-1)?

Nein. Glepaglutid wirkt auf den GLP-2-Rezeptor, nicht auf GLP-1. GLP-2 und GLP-1 stammen zwar aus derselben Hormonfamilie, aber GLP-2 fördert Wachstum und Funktion der Darmschleimhaut und wird für das Kurzdarmsyndrom untersucht – nicht zur Gewichtsabnahme oder Blutzuckersenkung wie Semaglutid oder Tirzepatid.

Kann man Glepaglutid schon verschrieben bekommen?

Stand Oktober 2026 nein. In den USA liegt seit Dezember 2024 ein ablehnender Bescheid (Complete Response Letter) der FDA vor. In der EU hat der CHMP am 17.09.2026 die Zulassung empfohlen (Handelsname Zeydovio), die abschließende Entscheidung der EU-Kommission stand aber noch aus. Ein Zugang besteht derzeit allenfalls über die Teilnahme an einer klinischen Studie.

Was hat die EASE-1-Studie gezeigt?

EASE-1 war eine internationale Phase-3-Studie mit 106 Erwachsenen mit Kurzdarmsyndrom. Die zweimal wöchentliche Gabe senkte das wöchentlich benötigte parenterale Volumen nach 24 Wochen signifikant stärker als Placebo (p=0,0039); 65,7 % erreichten mindestens eine 20-prozentige Reduktion gegenüber 38,9 % unter Placebo (p=0,0243). Die einmal wöchentliche Gabe verfehlte dagegen die statistische Signifikanz.

Warum hat die FDA Glepaglutid 2024 abgelehnt?

Die FDA kam im Dezember 2024 zu dem Schluss, dass die eingereichten Daten die Wirksamkeit und Sicherheit der zu vermarktenden Dosierung nicht in vollem Umfang belegen, und empfahl eine zusätzliche klinische Studie. Diese bestätigende Phase-3-Studie (EASE SBS 5) rekrutiert seit Februar 2026. Ein Complete Response Letter ist keine endgültige Absage, sondern benennt Auflagen für eine erneute Prüfung.

Wofür wird Glepaglutid überhaupt untersucht?

Für das Kurzdarmsyndrom (SBS) bei Erwachsenen. Dabei kann der Darm nach ausgedehnter Entfernung nicht genug Nährstoffe und Flüssigkeit aufnehmen, sodass Betroffene auf parenterale (intravenöse) Ernährung angewiesen sind. Ziel von Glepaglutid ist es, die Anpassung des Restdarms zu fördern und den Bedarf an parenteraler Unterstützung zu verringern – nicht, Gewicht zu reduzieren.

Worin unterscheidet sich Glepaglutid von Teduglutid und Apraglutid?

Alle drei sind GLP-2-Analoga für das Kurzdarmsyndrom. Teduglutid (Revestive/Gattex) ist das bislang etablierte, zugelassene Mittel der Klasse. Glepaglutid und Apraglutid sind neuere, langwirksame Kandidaten, die auf eine seltenere Gabe ausgelegt sind; beide sind Stand Oktober 2026 noch nicht regulär zugelassen und stehen in fortgeschrittener klinischer Prüfung.

Quellen

Primär- und Referenzquellen zum eigenständigen Nachlesen.

Verwandte Substanzen

In diesen Forschungs-Updates erwähnt

Unbekannte Fachbegriffe? Im Glossar nachschlagen oder die Grundlagen lesen.

Dieses Profil dient ausschließlich der Information und Bildung. Es ist keine medizinische Beratung und enthält bewusst keine Dosierungs- oder Anwendungsangaben. Anwendungsentscheidungen gehören in ärztliche Hand.