J-147
Synthetisches Small Molecule (Curcumin-Derivat, Hydrazon-Struktur) · J147 · CAS-Nr. 1146963-51-0
J-147 ist ein experimenteller, niedermolekularer Wirkstoffkandidat (kein Peptid), der ursprünglich gegen die Alzheimer-Erkrankung und allgemeine Hirnalterung entwickelt wurde. Sein Ansatz unterscheidet sich grundlegend von den klassischen Amyloid-Strategien: Statt Plaques abzubauen, stabilisiert J-147 den mitochondrialen Energiestoffwechsel der Nervenzelle. Die präklinische Datenlage (Zelle/Tier) ist breit und mechanistisch gut begründet; am Menschen ist die Substanz bislang nur in einer abgeschlossenen, unveröffentlichten Phase-1-Studie geprüft und für keine Anwendung zugelassen. Dieses Profil ordnet den Stand ein – ohne Dosierungs- oder Anwendungshinweise.
Auf einen Blick
- Substanzklasse
- Synthetisches Small Molecule (Curcumin-Derivat) – kein Peptid
- CAS-Nummer
- 1146963-51-0
- Ursprung
- Salk Institute, Labor David Schubert (ab 2011)
- Klinischer Entwickler
- Abrexa Pharmaceuticals, Inc.
- Molekulares Hauptziel
- α-F1-Untereinheit der mitochondrialen ATP-Synthase (ATP5A)
- ZNS-Gängigkeit
- Überwindet die Blut-Hirn-Schranke
- Entwicklungsstand
- Phase 1 abgeschlossen (2020); Phase 2 in Vorbereitung
- Zulassung
- Keine – ausschließlich experimentell
Herkunft & Entstehung
J-147 wurde ab 2011 am Salk Institute for Biological Studies im Labor von David Schubert entwickelt. Anders als die meisten Alzheimer-Wirkstoffe, die gezielt das Amyloid-Beta-Protein adressieren, entstand J-147 aus einem phänotypischen Screening: Synthetische, von Naturstoffen abgeleitete Moleküle wurden direkt an lebenden Nervenzellen daraufhin getestet, ob sie zelluläre Alterungsprozesse blockieren oder umkehren können.
Ausgangspunkt war das pflanzliche Polyphenol Curcumin, das zwar interessante Eigenschaften, aber eine schlechte Bioverfügbarkeit und kaum neurotrophe Aktivität besitzt. Die Forscher kombinierten Strukturelemente des Curcumins mit einer stärker nervenwirksamen Verbindung; aus dem Zwischenprodukt CNB-001 entstand durch weitere chemische Optimierung schließlich J-147 – stabiler, potenter und in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke effizient zu überwinden.
Wirkmechanismus: Energiestoffwechsel statt Amyloid
Das molekulare Hauptziel von J-147 wurde 2018 identifiziert (Goldberg et al., Aging Cell): Die Substanz bindet an die α-F1-Untereinheit der mitochondrialen ATP-Synthase (ATP5A) – das Enzym, das die Energiewährung ATP herstellt. J-147 hemmt dieses Enzym aber nur teilweise und gesättigt, nicht vollständig. Diese feine Bremse unterscheidet es von toxischen Vollblockern und wirkt als gezielter Stress-Reiz, der eine schützende Anpassungsreaktion der Zelle auslöst.
Die leichte Drosselung führt zu einem kurzzeitigen Anstieg von Kalzium in der Zelle, der über die Kinase CaMKK2 die zentrale Energie-Schaltstelle AMPK aktiviert. Weil dieser Weg über Kalzium läuft, kann die Zelle ihre Energieproduktion ankurbeln, ohne dass die ATP-Spiegel selbst absinken. Folge sind eine gesteigerte mitochondriale Atmungskapazität, der Erhalt des mitochondrialen Membranpotenzials und eine angeregte Neubildung von Mitochondrien – also genau jener Prozesse, die bei Alterung und Neurodegeneration nachlassen.
- Hauptziel (2018 identifiziert): α-F1-Untereinheit der ATP-Synthase (ATP5A).
- Nur partielle, gesättigte Hemmung – ein Reiz, kein Gift (anders als Vollblocker).
- Auslöser-Kaskade: Kalzium → CaMKK2 → AMPK; energieproduktion steigt, ohne dass ATP abfällt.
- Setzt am Energiestoffwechsel an – nicht primär am Amyloid wie klassische Alzheimer-Wirkstoffe.
Entzündungshemmung: Umpolung der Mikroglia
Neuere präklinische Daten (2025) zeigen, dass J-147 über denselben CaMKK2/AMPK-Signalweg auch die Immunzellen des Gehirns – die Mikroglia – beeinflusst. In Zell- und Tiermodellen einer ausgelösten Hirnentzündung verschiebt J-147 die Mikroglia von einem entzündungsfördernden („M1") hin zu einem entzündungshemmenden, schützenden Zustand („M2").
Die Folge ist eine verringerte Ausschüttung entzündlicher Botenstoffe (etwa TNF-α und Interleukin-6) bei gleichzeitig gesteigerter Bildung des schützenden Interleukin-10. Blockiert man den CaMKK2/AMPK-Weg gezielt, verschwinden diese Effekte – ein Hinweis, dass die entzündungshemmende Wirkung tatsächlich von dieser Kaskade abhängt.
- J-147 verschiebt Mikroglia vom entzündlichen (M1) zum schützenden (M2) Zustand.
- Weniger entzündliche Botenstoffe (TNF-α, IL-6), mehr schützendes IL-10.
- Effekt verschwindet, wenn der CaMKK2/AMPK-Weg blockiert wird (Mechanismus bestätigt).
- Datenstand: präklinisch (Zelle/Tier), 2025 – nicht am Menschen belegt.
Präklinisches Wirkspektrum
Die Stärke von J-147 in der Forschung ist seine Breite: Weil es an einer zentralen Stoffwechsel-Schnittstelle ansetzt, zeigt es in sehr unterschiedlichen Krankheitsmodellen Effekte. Wichtig zur Einordnung: All dies sind Befunde aus Zellkulturen und Tiermodellen, nicht aus dem Menschen.
In Alzheimer-Mausmodellen verringerte langfristig verabreichtes J-147 Amyloid-Ablagerungen und kehrte Gedächtnisdefizite um. In beschleunigten Alterungsmodellen stabilisierte es mitochondriale und epigenetische Marker; in der Fruchtfliege verlängerte es die Lebensspanne um rund 13 %. In Schlaganfall-Modellen senkte J-147 das Schadensvolumen und – in Kombination mit dem Gerinnselauflöser t-PA – die gefürchteten Hirnblutungen sowie die Sterblichkeit. Weitere Modelle betreffen traumatische Hirnverletzung, diabetische Nervenschädigung und postoperative kognitive Störungen. Für die erbliche Nervenerkrankung Charcot-Marie-Tooth Typ 1A ist J-147 (bzw. das verwandte Molekül CMS121) bislang lediglich als möglicher Ansatz vorgeschlagen worden – ein Wirknachweis in entsprechenden Modellen steht noch aus.
- Alzheimer-Mausmodelle: weniger Amyloid, Umkehr von Gedächtnisdefiziten.
- Alterung: stabilisierte mitochondriale/epigenetische Marker; ~13 % längere Lebensspanne bei der Fruchtfliege.
- Schlaganfall: geringeres Schadensvolumen; mit t-PA weniger Hirnblutungen und niedrigere Sterblichkeit.
- Weitere Modelle: Hirntrauma, diabetische Neuropathie, postoperative kognitive Störung; CMT1A bislang nur als Hypothese vorgeschlagen (CMS121).
- Alle Befunde präklinisch – die Übertragbarkeit auf den Menschen ist offen.
Sicherheitsprofil und mögliche Wechselwirkungen
In präklinischen Tests gilt J-147 als gut verträglich: Es war im Ames-Test (Erbgut-Schädigung) und im hERG-Test (Herzrhythmus) unauffällig und zeigte in toxikologischen Untersuchungen eine breite Spanne zwischen wirksamer und schädlicher Konzentration. Das ist jedoch kein Beleg für Sicherheit beim Menschen – belastbare Humandaten zur Langzeitsicherheit fehlen.
Aus dem Wirkmechanismus ergeben sich theoretische Wechselwirkungsrisiken, die in der Forschung diskutiert werden: Da J-147 den AMPK/mTOR-Stoffwechselweg anregt, könnten sich Effekte mit Substanzen wie Metformin oder Rapamycin überlagern. Zudem hemmt J-147 den Dopamin-Transporter, weshalb eine Kombination mit dopaminerg wirkenden Mitteln aus Sicht der Forschung besondere Vorsicht erfordern würde. Diese Punkte sind Gründe, warum solche Substanzen in ärztliche Hände gehören – und kein Hinweis auf eine Anwendung außerhalb von Studien.
- Präklinisch unauffällig in Ames- (Genotoxizität) und hERG-Test (Herz); breite therapeutische Spanne.
- Keine belastbaren Humandaten zur Langzeitsicherheit.
- Theoretische Wechselwirkungen: AMPK/mTOR-Modulatoren (z. B. Metformin, Rapamycin).
- Hemmt den Dopamin-Transporter → diskutierte Vorsicht bei dopaminerg wirkenden Mitteln.
Klinische Studien
Sicherheit, Verträglichkeit & Pharmakokinetik bei Gesunden
Abgeschlossen (2020) – Ergebnisse unveröffentlicht
Randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert; einzeln ansteigende orale Dosen (SAD) bei 64 gesunden jüngeren und älteren Probanden. Die Verträglichkeit reichte aus, um den Übergang in Phase 2 zu rechtfertigen; detaillierte Ergebnisse wurden jedoch bis heute nicht publiziert, sodass eine unabhängige Bewertung nicht möglich ist.
Akuter ischämischer Schlaganfall (JUMPSTART)
Noch nicht rekrutierend (geplanter Start 2026)
Geplante adaptive Phase-2-Studie zur ergänzenden Neuroprotektion nach mechanischer Thrombektomie. Leitung u. a. Steven J. Warach (UT Austin). Endgültige Bewertung des klinischen Nutzens erst nach Abschluss möglich.
Regulatorischer Status
Allgemein
Experimentell – nirgends zugelassen
J-147 ist ein reiner Prüf-/Forschungswirkstoff ohne arzneimittelrechtliche Zulassung für die Anwendung am Menschen.
Deutschland (AMG)
Einfuhr/Anwendung nicht zugelassener Arzneimittel strafbewehrt
Das Arzneimittelgesetz stellt Import und Anwendung nicht zugelassener Mittel unter Strafe – die Deklaration als „Nahrungsergänzung" im Ausland ändert daran nichts.
Sport (WADA)
Nicht genehmigte Substanz
Nicht zugelassene Prüfsubstanzen fallen unter das generelle Verbot nicht genehmigter Stoffe (Kategorie S0).
Sicherheit & Einordnung
- J-147 ist ausschließlich ein Forschungswirkstoff – es gibt keine zugelassene Anwendung und keine gesicherte Humanevidenz zu Nutzen oder Langzeitsicherheit.
- Die gesamte Wirksamkeitsevidenz stammt aus Zell- und Tiermodellen; neuroprotektive Substanzen scheitern beim Sprung vom Tier zum Menschen historisch sehr häufig.
- Die Ergebnisse der bereits 2020 abgeschlossenen Phase-1-Studie wurden nie im Detail veröffentlicht – eine unabhängige Bewertung der Humansicherheit ist dadurch nicht möglich.
- Frei im Internet als „Research Chemical" gehandelte Ware unterliegt keiner Qualitätskontrolle (Reinheit, Verunreinigungen unklar) und ist rechtlich heikel.
- Dieses Profil nennt bewusst keine Dosierungen, Rekonstitutions- oder Anwendungsprotokolle.
Verwandte Peptid-Profile
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Häufige Fragen
- Ist J-147 ein Peptid?
- Nein. J-147 ist ein synthetisches, niedermolekulares Molekül (ein optimiertes Curcumin-Derivat). Es wird hier in der Rubrik „Forschungs-Wirkstoffe" geführt, weil es kein Peptid ist und daher nicht in den Peptid-Katalog gehört – die Forschungsfragen (Neuroprotektion, Hirnalterung) überschneiden sich aber.
- Kann man J-147 gegen Alzheimer oder zur „Hirnverjüngung" einnehmen?
- Nein. J-147 ist für keine Anwendung zugelassen. Die vielversprechenden Daten stammen aus Zell- und Tierversuchen; am Menschen wurde bislang nur die Sicherheit in einer kleinen, unveröffentlichten Phase-1-Studie untersucht. Ein Nutzen beim Menschen ist nicht belegt.
- Was ist das Besondere am Wirkmechanismus?
- J-147 setzt nicht am Amyloid an, sondern am Energiestoffwechsel der Nervenzelle: Es bremst die mitochondriale ATP-Synthase leicht und löst darüber eine schützende Anpassung (CaMKK2/AMPK) aus. Dieser Stoffwechsel-Ansatz erklärt, warum es in sehr unterschiedlichen Krankheitsmodellen wirkt – ist aber bislang nur präklinisch belegt.
Quellen
- Salk InstituteSalk scientists develop drug that slows Alzheimer's in miceReferenz
- PLoS ONE (Chen et al., 2011)A novel neurotrophic drug for cognitive enhancement and Alzheimer's disease (J147)Studie
- Aging Cell (Goldberg et al., 2018)The mitochondrial ATP synthase is a shared drug target for aging and dementiaStudie
- Alzheimer's Research & Therapy (Prior et al., 2013)Reversal of Alzheimer's-like pathology and behavior by J147 (APP/PS1, SAMP8)Studie
- Mol. Brain / PMC (2023)Current evidence for J147 as a potential therapeutic agent in nervous system diseaseÜbersichtsarbeit
- PMC (2014)J-147: CeeTox Safety and Genotoxicity AnalysisStudie
- PMC (2022)J147 Reduces tPA-Induced Brain Hemorrhage in Acute Experimental StrokeStudie
- PubMed (2022)J147 decreases blood plasma fatty acid levels via AMPK/ACC1 signalingStudie
- Aging-USGeroprotective effects of Alzheimer's disease drug candidatesStudie
- Alzheimer's Drug Discovery FoundationCognitive Vitality – J147 (For Researchers)Übersichtsarbeit
- ClinicalTrials.gov (NCT03838185)Study to Assess Safety, Tolerability and PK of Single Ascending Oral Doses of J147 (Phase 1)Klinische Prüfung
- Antioxidants / MDPI (2025)Ferroptosis and Charcot–Marie–Tooth Disease 1A: Emerging EvidenceÜbersichtsarbeit
Dieses Profil dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Es ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält bewusst keine Dosierungs-, Rekonstitutions-, Anwendungs- oder Bezugshinweise.

