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Stoffwechsel & Gewicht

Stoffwechsel & Gewicht

Pemvidutid

Pemvidutide · ALT-801 · ALT801

Investigational

Pemvidutid (Entwicklungsname ALT-801) ist ein synthetisches Peptid des US-Biotechunternehmens Altimmune, das gleichzeitig zwei Rezeptoren aktiviert: den GLP-1-Rezeptor (appetitdämpfend, gewichtssenkend) und den Glukagon-Rezeptor (direkte Wirkung auf den Leberstoffwechsel, Abbau von Leberfett). Beide Aktivitäten sind bewusst in etwa 1:1 ausbalanciert – daher „balancierter Dualagonist“. Der Hauptentwicklungspfad ist die metabolisch-assoziierte Steatohepatitis (MASH, früher NASH), eine fortschreitende Fettleber-Erkrankung mit Entzündung und Vernarbung (Fibrose); parallel wurde der Stoff auch bei Adipositas und bei Alkoholkonsumstörung untersucht. Wichtigster Beleg ist die Phase-2b-Studie IMPACT bei 212 Personen mit bioptisch gesicherter MASH. Nach 24 Wochen erreichte Pemvidutid seinen ersten ko-primären Endpunkt – MASH-Rückbildung ohne Verschlechterung der Fibrose – mit hoher Signifikanz (59,1 % bzw. 52,1 % in den beiden Wirkstoffgruppen gegenüber dem Placeboarm). Ehrlich einzuordnen: Der zweite ko-primäre Endpunkt (Fibrose-Verbesserung ohne MASH-Verschlechterung) wurde zu diesem 24-Wochen-Zeitpunkt NICHT erreicht; Fibrose-Signale zeigten sich erst in Zusatz-/Bildmarkern und in den 48-Wochen-Daten. Publiziert im Dezember 2025 in The Lancet, präsentiert auf der AASLD-Jahrestagung 2025. Die FDA erteilte Anfang 2026 eine Breakthrough-Therapy-Designation für MASH; die zulassungsrelevante Phase-3-Studie PERFORMA startete im August 2026. Pemvidutid ist Stand 2026 nirgends zugelassen – ein reiner Prüfwirkstoff.

Regulatory status

In clinical trials only · not approved

Nicht zugelassen – Prüfwirkstoff in Phase 3. FDA-Breakthrough-Therapy- und Fast-Track-Status beschleunigen die Prüfung, sind aber KEINE Zulassung.

Drug class

Balancierter (etwa 1:1) Glukagon-/GLP-1-Dualrezeptoragonist – synthetisches, einmal wöchentlich subkutan verabreichtes Peptid

Half-life (informative)

Auf einmal wöchentliche subkutane Gabe ausgelegt; eine exakte Halbwertszeit ist öffentlich nicht klar beziffert. Die albuminbindende Fettsäure-Seitenkette (EuPort-Domäne) verlängert die Verweildauer im Blut und ermöglicht das wöchentliche Intervall.

Studied in the literature

Subkutane Injektion, einmal wöchentlich (in Studien mit langsamer Dosis-Titration über mehrere Stufen). PeptidLotse nennt bewusst keine Mengen, Konzentrationen oder Anwendungsschritte.

Mechanism of action

Pemvidutid

Pemvidutid vereint Strukturelemente von GLP-1 und Glukagon in einem einzigen Peptid und wirkt an beiden Rezeptoren zugleich. Über den GLP-1-Rezeptor entstehen die von Wirkstoffen wie Semaglutid bekannten Effekte: gedämpfter Appetit, verlangsamte Magenentleerung, verbesserte Blutzuckerregulation und Gewichtsabnahme. Über den Glukagon-Rezeptor wirkt es zusätzlich direkt in der Leber: Es steigert die Fettverbrennung (β-Oxidation) in den Leberzellen, drosselt die Neubildung von Fett und kann so Leberfett und Blutfette senken – der Grund für den MASH-Fokus. Die Glukagon-Komponente erhöht rechnerisch auch den Energieverbrauch. Das etwa 1:1-Verhältnis der beiden Aktivitäten soll die fettabbauende Glukagon-Wirkung nutzen, ohne den Blutzucker ungünstig zu beeinflussen. Zur Verlängerung der Verweildauer trägt das Peptid eine albuminbindende Fettsäure-Seitenkette (18-Kohlenstoff-Disäure) über die firmeneigene EuPort-Domäne; das ermöglicht die einmal wöchentliche Gabe und soll den Wirkstoff langsamer anfluten lassen, was die Verträglichkeit verbessern könnte. Ein mechanistisch verwandter Konkurrent ist Survodutid (ebenfalls Glukagon/GLP-1).

In IMPACT wurde 1:2:2 auf zwei Wirkstoff-Dosisstufen und Placebo randomisiert; in MOMENTUM (Adipositas) auf drei Dosisstufen und Placebo. Die konkreten Dosiswerte werden hier nicht wiedergegeben. Studienbefund: Wirksamkeit und Verträglichkeit nahmen mit der Dosisstufe zu, wobei die höhere MASH-Dosis stärkere Gewichts- und Stoffwechseleffekte, die niedrigere teils höhere Leber-/Fibrose-Marker-Ansprechraten zeigte.

Research history

Pemvidutid wurde von Altimmune (Gaithersburg, Maryland) als ALT-801 entwickelt. Nach frühen Studien zu Adipositas und Fettleber rückte MASH in den Vordergrund. Die Phase-2-Studie MOMENTUM bei Adipositas (391 Teilnehmende, 48 Wochen) zeigte eine dosisabhängige Gewichtsabnahme von bis zu 15,6 % gegenüber 2,2 % unter Placebo und eine überdurchschnittliche Erhaltung der Muskelmasse (rund 78 % des Verlusts entfielen auf Fett). In der MASH-Phase-2b-Studie IMPACT wurden 24-Wochen-Ergebnisse im Dezember 2025 in The Lancet publiziert und auf der AASLD The Liver Meeting 2025 vorgestellt; 48-Wochen-Daten folgten (angekündigt Dezember 2025, weitere Auswertungen auf dem EASL-Kongress 2026). Anfang 2026 (Bekanntgabe 5. Januar 2026) erteilte die FDA die Breakthrough-Therapy-Designation für MASH, zusätzlich zu Fast-Track-Status für MASH und Alkoholkonsumstörung. Im August 2026 startete die globale Phase-3-Studie PERFORMA.

Positive aspects

What the research shows that is promising

Research areas

  • Metabolisch-assoziierte Steatohepatitis (MASH/NASH) mit Fibrose F2–F3 – Hauptindikation (Phase-2b IMPACT abgeschlossen, Phase-3 PERFORMA läuft)
  • Adipositas / Übergewicht ohne Diabetes (Phase-2 MOMENTUM abgeschlossen)
  • Erhalt der Muskelmasse während der Gewichtsabnahme (Körperzusammensetzungs-Substudie)
  • Alkoholkonsumstörung (AUD) – FDA-Fast-Track, frühe Prüfung
  • Leberfett, Blutfette und weitere kardiometabolische Marker

Documented effects (from the literature)

  • MASH-Rückbildung ohne Fibrose-Verschlechterung bei 59,1 % bzw. 52,1 % (24 Wochen, beide Wirkstoffgruppen) vs. deutlich niedriger unter Placebo (IMPACT, ITT)
  • qFibrosis: ≥1 Stadium Fibrose-Regression bei 68,6 % bzw. 54,5 % vs. 29,6 % Placebo (24 Wochen)
  • Gewichtsabnahme rund 7,5 % (höhere MASH-Dosis) vs. 0,2 % Placebo über 48 Wochen (p<0,0001), ohne Plateau; BMI −3,0 kg/m², Taillenumfang −5,3 cm
  • Bei Adipositas (MOMENTUM): Gewichtsabnahme bis 15,6 % vs. 2,2 % Placebo über 48 Wochen, mit überdurchschnittlicher Muskelmasse-Erhaltung
  • Senkung von Leberfett, Triglyzeriden und Gesamtcholesterin; Verbesserung von Leberfibrose-Bluttests (ELF) und Lebersteifigkeit (FibroScan/LSM)
  • Als GLP-1-typisch berichtet: überwiegend gastrointestinale Nebenwirkungen (v. a. Übelkeit), meist leicht bis mittelgradig; laut Sponsor insgesamt günstiges Verträglichkeitsprofil

Risk analysis

What to view critically and honestly

Regulatory status by region

USA (FDA)·Prüfwirkstoff / nicht zugelassen

Breakthrough Therapy Designation für MASH (Bekanntgabe 5.1.2026, gestützt auf IMPACT-24-Wochen-Daten); zusätzlich Fast Track für MASH und für Alkoholkonsumstörung. Phase-3-Studie PERFORMA seit August 2026; biopsiegestützter 52-Wochen-Readout für 2029 erwartet. Diese Status verkürzen den Entwicklungsweg, ersetzen aber keine Zulassungsentscheidung.

EU (EMA)·Nicht zugelassen

Keine EMA-Zulassung. 48-Wochen-Daten wurden 2026 auf dem europäischen Leberkongress EASL wissenschaftlich präsentiert; das ist eine Fachpräsentation, kein Zulassungsschritt.

Global·Nicht zugelassen

Weltweit kein zugelassenes Fertigarzneimittel. Jede Verwendung außerhalb kontrollierter klinischer Studien ist nicht zugelassener Gebrauch.

Safety concerns & caution

  • Der zweite ko-primäre Endpunkt (Fibrose-Verbesserung ohne MASH-Verschlechterung) wurde in IMPACT nach 24 Wochen NICHT erreicht – der harte Fibrose-Nutzen muss in Phase 3 erst belegt werden
  • Alle Daten stammen aus Phase-2-Studien mit begrenzter Teilnehmerzahl (IMPACT 212, MOMENTUM 391) und begrenzter Dauer; Langzeitsicherheit ist unbekannt
  • Glukagon-Rezeptor-Aktivierung kann grundsätzlich Blutzucker und Herzfrequenz beeinflussen – Wirkung/Sicherheit bei Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist noch nicht in großen Studien geklärt
  • GLP-1-typische Übelkeit/Magen-Darm-Beschwerden bei einem Teil der Behandelten; seltene, aber bekannte Klassen-Risiken (z. B. Gallenwege, Pankreatitis) sind in kleinen Studien nicht sicher auszuschließen
  • Wirksamkeits- und Sicherheitsangaben stammen bislang überwiegend aus Sponsor-Mitteilungen und einer Publikation; unabhängige Langzeit-Bestätigung steht aus

Risks of gray-market purchase

  • Nicht zugelassen: Es gibt KEIN legales, geprüftes Fertigarzneimittel. Online als „Research Chemical“, „nur für Laborzwecke“ oder in Peptid-Foren angebotene Ware ist unreguliert und nicht für die Anwendung am Menschen bestimmt
  • Graumarkt-Pulver haben keinerlei geprüfte Identität, Reinheit, Dosisgenauigkeit oder Sterilität; Verunreinigungen, Untermischungen oder falsche Substanzen sind dokumentierte Risiken solcher Quellen
  • Ohne ärztliche Begleitung entfallen Diagnose, Kontrolle von Leber-/Stoffwechselwerten und Nebenwirkungs-Management – gerade bei einer Leber-Erkrankung wie MASH gefährlich
  • Selbstbeschaffung und Eigeninjektion bergen zusätzlich Infektions- und Dosierungsrisiken; PeptidLotse gibt dazu bewusst keinerlei Anleitung
  • Rechtlich ist der Vertrieb eines nicht zugelassenen Wirkstoffs als Arzneimittel in Deutschland/EU unzulässig; Käufer bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone

Frequently asked questions

Ist Pemvidutid zugelassen und kann man es verschrieben bekommen?

Nein. Pemvidutid ist Stand 2026 weder in den USA noch in der EU noch sonst irgendwo als Arzneimittel zugelassen. Es befindet sich in der klinischen Phase-3-Prüfung (Studie PERFORMA). Der FDA-Breakthrough-Therapy- und Fast-Track-Status beschleunigen nur die Prüfung – sie sind ausdrücklich keine Zulassung. Eine legale Anwendung ist derzeit nur im Rahmen kontrollierter Studien möglich.

Was zeigen die MASH-Studien wirklich – und was nicht?

In der Phase-2b-Studie IMPACT erreichte Pemvidutid nach 24 Wochen den Endpunkt MASH-Rückbildung ohne Fibrose-Verschlechterung sehr deutlich (59,1 % bzw. 52,1 % vs. Placebo). Wichtig für die ehrliche Einordnung: Der zweite ko-primäre Endpunkt – eine direkte Fibrose-Verbesserung – wurde zu diesem Zeitpunkt nicht erreicht. Positive Fibrose-Signale kamen erst aus Zusatzmarkern und den 48-Wochen-Daten. Ob der Wirkstoff die Vernarbung dauerhaft und klinisch relevant zurückdrängt, muss die Phase-3-Studie erst beweisen.

Worin unterscheidet sich Pemvidutid von Semaglutid oder Tirzepatid?

Semaglutid ist ein reiner GLP-1-Agonist, Tirzepatid ein GIP/GLP-1-Doppelagonist. Pemvidutid kombiniert GLP-1 mit einer Glukagon-Komponente. Genau diese Glukagon-Wirkung zielt direkt auf den Leberstoffwechsel (Abbau von Leberfett) und ist der Grund für den MASH-Schwerpunkt. Ein mechanistisch ähnlicher Kandidat ist Survodutid. Anders als Semaglutid oder Tirzepatid ist Pemvidutid aber noch nicht zugelassen.

Warum nennt PeptidLotse keine Dosierungen?

PeptidLotse ist rein edukativ. Wir geben grundsätzlich keine Mengen, Konzentrationen, Aufzieh- oder Injektionsanleitungen an – erst recht nicht für einen nicht zugelassenen Prüfwirkstoff. Studienfakten wie Ergebnis-Prozente, Studienphasen und Zulassungsstatus ordnen wir ein; alles Weitere gehört in die Hände von Ärztinnen und Ärzten und in kontrollierte Studien.

Sources

Primary and reference sources for your own reading.

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Unfamiliar terms? Look them up in the glossary or read the fundamentals.

This profile is for information and education only. It is not medical advice and deliberately contains no dosing or usage details. Decisions about use belong in a doctor’s hands.