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Wachstumshormon-System

Wachstumshormon-System

Ipamorelin

NNC 26-0161 · Ipamorelin-Pentapeptid · selektives GH-Sekretagogum (GHRP)

Nicht zugelassen

Ipamorelin ist ein synthetisches Pentapeptid, das Ende der 1990er bei Novo Nordisk als „erstes selektives Wachstumshormon-Sekretagogum“ beschrieben wurde. Es aktiviert den Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a) der Hirnanhangdrüse und regt eine pulsatile Ausschüttung von Wachstumshormon (GH) an — laut den ursprünglichen präklinischen Arbeiten ohne nennenswerten Anstieg von Cortisol, ACTH oder Prolaktin, anders als ältere GHRPs. Trotz dieser Selektivität wurde Ipamorelin nie als Arzneimittel zugelassen: Eine klinische Entwicklung u. a. gegen postoperativen Darmverschluss (Ileus) wurde eingestellt. Heute zirkuliert es vor allem als Graumarkt-„Research Peptide“ und ist im Sport verboten.

Regulatorischer Status

Nicht für den Menschen zugelassen

Nicht als Arzneimittel zugelassen — Forschungs-/Graumarktsubstanz ohne etabliertes Sicherheitsprofil beim Menschen.

Wirkstoffklasse

Selektives Wachstumshormon-Sekretagogum / Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a)-Agonist (Wachstumshormon-freisetzendes Peptid, GHRP)

Halbwertszeit (informativ)

In der Literatur wird die Eliminationshalbwertszeit als kurz beschrieben (Größenordnung weniger Stunden, häufig mit ~2 Stunden angegeben). Belastbare, breit publizierte Humandaten sind begrenzt.

In der Literatur untersucht

In präklinischen und klinischen Untersuchungen wurde Ipamorelin parenteral verabreicht (in Tiermodellen subkutan, in der Phase-II-Ileus-Studie intravenös). Dies beschreibt ausschließlich, wie die Substanz untersucht wurde, und ist keine Anwendungsanweisung.

Wirkmechanismus

Ipamorelin

Ipamorelin bindet als Agonist an den Wachstumshormon-Sekretagogum-Rezeptor (GHS-R1a, den Ghrelin-Rezeptor) in der Hirnanhangdrüse und im Hypothalamus und löst eine pulsatile Freisetzung von Wachstumshormon (GH) aus den somatotropen Zellen aus. In den ursprünglichen präklinischen Arbeiten von Raun et al. (1998) galt die Substanz als besonders selektiv: Sie setzte GH in einem Ausmaß frei, das mit GHRH vergleichbar war, erhöhte aber — anders als die älteren Peptide GHRP-2 und GHRP-6 — ACTH und Cortisol nicht signifikant über das GHRH-Niveau hinaus; FSH, LH, Prolaktin und TSH blieben in diesen Modellen unbeeinflusst. Diese Selektivität ist in Tier- und In-vitro-Modellen gut dokumentiert; ein klinischer Nutzen beim Menschen wurde daraus jedoch nicht abgeleitet.

Die viel zitierte „Selektivität“ stammt überwiegend aus präklinischen Modellen (u. a. Schwein, Ratte) und In-vitro-Daten. Ein präklinisch sauberes Profil belegt keinen Nutzen oder keine Sicherheit beim Menschen — die einzige veröffentlichte klinische Studie zielte auf den Magen-Darm-Trakt (Ileus), nicht auf „Anti-Aging“ oder Körperzusammensetzung.

Forschungsgeschichte

Ipamorelin (Entwicklungscode NNC 26-0161) wurde Ende der 1990er Jahre bei Novo Nordisk entwickelt und 1998 in einer Arbeit von Raun und Kollegen im European Journal of Endocrinology als „erstes selektives Wachstumshormon-Sekretagogum“ charakterisiert. Es erreichte nie eine Zulassung als Arzneimittel. Später untersuchte Helsinn Therapeutics die Substanz in einer placebokontrollierten Phase-II-Studie (NCT00672074) zur Behandlung des postoperativen Darmverschlusses (Ileus) nach Bauch-OPs; die Studie wurde abgeschlossen, ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis blieb jedoch aus, und die Entwicklung für diese Indikation wurde eingestellt. Seither existiert Ipamorelin kein zugelassenes Anwendungsgebiet; es verbreitet sich überwiegend als Graumarkt-Forschungspeptid.

Zulassungsstatus nach Region

EU·Nicht zugelassen

Ipamorelin ist in der EU nicht als Arzneimittel zugelassen und besitzt keinen ATC-Code. Ein Vertrieb als „Research Peptide“ erfolgt außerhalb des Arzneimittelrechts; eine arzneiliche Anwendung am Menschen ist nicht etabliert.

USA·Nicht zugelassen

Keine FDA-Zulassung für irgendeine Indikation. Die klinische Phase-II-Entwicklung gegen postoperativen Ileus (NCT00672074) wurde ohne Zulassung beendet. Die FDA hat GH-Sekretagoga/Peptide dieser Art kritisch bewertet und vor Risiken von Graumarktpräparaten gewarnt; Ipamorelin wird überwiegend als Forschungschemikalie vermarktet.

Weltweit·Im Sport verboten

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) führt Ipamorelin namentlich auf der Verbotsliste unter Kategorie S2 (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Substanzen und Mimetika), Abschnitt der Wachstumshormon-Sekretagoga/GHRP. Die Substanz ist jederzeit verboten (in und außerhalb des Wettkampfs).

Forschungsfelder

  • Charakterisierung der Selektivität von GH-Sekretagoga (präklinisch, Raun et al. 1998)
  • Pulsatil-physiologische Stimulation der Wachstumshormon-Achse (Tier-/In-vitro-Modelle)
  • Postoperativer Darmverschluss (Ileus) — klinische Phase-II-Untersuchung, ohne Zulassungserfolg
  • Gastrointestinale Motilität als Ghrelin-Rezeptor-Effekt (präklinisch)

Dokumentierte Effekte (aus der Literatur)

  • In präklinischen Modellen: dosisabhängige Freisetzung von Wachstumshormon ohne signifikanten Anstieg von ACTH, Cortisol, Prolaktin, FSH, LH oder TSH (Raun et al. 1998).
  • Als Ghrelin-Rezeptor-Agonist sind Effekte auf Appetit und gastrointestinale Motilität beschrieben.
  • Aus dem nicht-klinischen Gebrauch berichtete Beobachtungen (anekdotisch, nicht kontrolliert) umfassen u. a. Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen und Reaktionen an der Einstichstelle — diese sind nicht als belastbare Sicherheitsdaten zu werten.

Sicherheitsbedenken & Vorsicht

  • Sehr begrenzte kontrollierte Humandaten; die einzige veröffentlichte klinische Studie zielte auf Ileus und nicht auf die populär beworbenen Zwecke.
  • Langzeitsicherheit beim Menschen ist nicht etabliert — keine Daten zu chronischer Anwendung.
  • Eingriffe in die GH-/IGF-1-Achse können theoretisch Glukosestoffwechsel und Insulinsensitivität beeinflussen; dauerhaft erhöhte GH-/IGF-1-Spiegel sind hinsichtlich Langzeitrisiken nicht abschließend geklärt.
  • Die in Marketingtexten betonte „Selektivität“ stammt aus Tiermodellen und ist kein Beleg für Sicherheit oder Nutzen beim Menschen.

Risiken des Graumarkt-Bezugs

  • Verkauf als „Research Peptide“ bzw. „nicht für den menschlichen Gebrauch“ — außerhalb jeder arzneimittelrechtlichen Qualitätssicherung.
  • Reinheit, Identität, Dosisgehalt und Sterilität sind ungesichert; Verunreinigungen (z. B. bakterielle Endotoxine/LPS) und Fehldeklarationen sind möglich.
  • Werbeaussagen zu „Anti-Aging“, Muskelaufbau oder Fettabbau sind Marketing-Behauptungen, keine durch Humanstudien belegten Fakten.
  • Im Sport jederzeit verboten (WADA S2) — Nachweis in Urinproben ist möglich; ein Verstoß kann erhebliche sportrechtliche Folgen haben.

Häufige Fragen

Was bedeutet „selektives Wachstumshormon-Sekretagogum“ bei Ipamorelin?

In den ursprünglichen präklinischen Arbeiten (Raun et al. 1998) setzte Ipamorelin Wachstumshormon frei, ohne — anders als ältere Peptide wie GHRP-2 oder GHRP-6 — Cortisol, ACTH oder Prolaktin nennenswert zu erhöhen. Diese Selektivität ist in Tier- und In-vitro-Modellen beschrieben. Sie sagt nichts über Nutzen oder Sicherheit beim Menschen aus.

Ist Ipamorelin als Medikament zugelassen?

Nein. Ipamorelin ist weder in der EU noch in den USA als Arzneimittel zugelassen. Eine klinische Phase-II-Studie gegen postoperativen Darmverschluss (Ileus) wurde abgeschlossen, führte aber nicht zu einer Zulassung; die Entwicklung wurde eingestellt. Es existiert kein zugelassenes Anwendungsgebiet.

Worin unterscheidet sich dieses Profil von „CJC-1295 + Ipamorelin“?

Dieses Profil beschreibt Ipamorelin als Einzelsubstanz — seine Herkunft bei Novo Nordisk, die Selektivitäts-Forschung und die eingestellte Ileus-Entwicklung. Das separate Profil „CJC-1295 + Ipamorelin“ behandelt die in der Szene übliche Kombination mit einem GHRH-Analogon, die an einem anderen Punkt der GH-Achse ansetzt.

Ist Ipamorelin im Sport erlaubt?

Nein. Die WADA führt Ipamorelin namentlich auf der Verbotsliste unter Kategorie S2 (Wachstumshormon-Sekretagoga). Die Substanz ist jederzeit verboten — im und außerhalb des Wettkampfs.

Quellen

Primär- und Referenzquellen zum eigenständigen Nachlesen.

Verwandte Substanzen

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Dieses Profil dient ausschließlich der Information und Bildung. Es ist keine medizinische Beratung und enthält bewusst keine Dosierungs- oder Anwendungsangaben. Anwendungsentscheidungen gehören in ärztliche Hand.