Melanocortin-System
Melanotan II
MT-II · MT-2
Melanotan II ist ein nicht zugelassenes synthetisches Analogon des α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH). Es aktiviert breit verschiedene Melanocortin-Rezeptoren und führt zu einer Hautbräunung mit wenig oder ohne UV-Licht. Genau diese unspezifische Wirkung erklärt das Nebenwirkungsprofil: dokumentiert sind u. a. das rasche Nachdunkeln und Wachsen von Muttermalen, Melanom-Fallberichte, Priapismus (schmerzhafte Dauererektion) und Übelkeit. Behörden in Großbritannien, Australien und anderen Ländern warnen ausdrücklich davor.
Regulatorischer Status
Nicht für den Menschen zugelassen
Nirgends als Arzneimittel zugelassen; Behördenwarnungen wegen Melanom- und weiterer Risiken.
Wirkstoffklasse
Nicht zugelassenes α-MSH-Analogon (breiter Melanocortin-Agonist)
Halbwertszeit (informativ)
Beschrieben im Stundenbereich.
In der Literatur untersucht
In Fallberichten und Untersuchungen subkutan; der Vertrieb erfolgt unreguliert.
Wirkmechanismus
Melanotan II aktiviert den MC1R (Pigmentierung/Melanogenese) sowie MC3R und MC4R (u. a. sexuelle Funktion, Appetit). Daraus folgen Bräunung, aber auch erektile Effekte bis hin zum Priapismus sowie Übelkeit. Die starke MC1R-Stimulation lässt bestehende Muttermale nachdunkeln.
Kein qualitätsgeprüftes Produkt — die Zusammensetzung schwankt.
Forschungsgeschichte
An der University of Arizona aus der α-MSH-Forschung entwickelt; nie als Arzneimittel zugelassen. Über das Internet als „Bräunungsinjektion“ oder Nasenspray verbreitet.
Zulassungsstatus nach Region
Die britische MHRA warnt ausdrücklich vor unlizenziertem Melanotan II.
Die TGA hat vor den Risiken gewarnt.
Keine Zulassung; Vertrieb unreguliert.
Forschungsfelder
- Historisch: Photoprotektion/Bräunung und erektile Funktion
- Weitgehend zugunsten gezielterer Nachfolger (Afamelanotid, Bremelanotid) verlassen
Dokumentierte Effekte (aus der Literatur)
- Hautbräunung; Nachdunkeln und Wachsen von Muttermalen.
- Übelkeit/Erbrechen, Flush, Appetitminderung.
- Priapismus; Hyperpigmentierung von Lippen und Zahnfleisch.
Sicherheitsbedenken & Vorsicht
- Melanom-Fallberichte unter Melanotan II; rasche melanozytäre Veränderungen erschweren die Hautkrebs-Früherkennung.
- Priapismus ist ein urologischer Notfall.
- Systemische Toxizität und Rhabdomyolyse wurden beschrieben.
Risiken des Graumarkt-Bezugs
- Unsteril, mit ungeprüftem Gehalt.
- „Bräunen ohne Sonne“ verharmlost ein Produkt ganz ohne Zulassung.
- Veränderte Muttermale können ein Melanom maskieren.
Häufige Fragen
Ist Melanotan II eine sichere Alternative zum Sonnenstudio?
Nein. Es ist nicht zugelassen, und es gibt Fallberichte über Melanome sowie über Priapismus und systemische Toxizität. Neue oder sich verändernde Muttermale unter Melanotan II gehören dermatologisch abgeklärt.
Worin unterscheidet sich Melanotan II von PT-141 oder Afamelanotid?
PT-141 (Bremelanotid) und Afamelanotid sind gezielter und in bestimmten Ländern zugelassen. Melanotan II ist der unspezifische, nicht zugelassene Vorläufer.
Quellen
Primär- und Referenzquellen zum eigenständigen Nachlesen.
Verwandte Substanzen
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Dieses Profil dient ausschließlich der Information und Bildung. Es ist keine medizinische Beratung und enthält bewusst keine Dosierungs- oder Anwendungsangaben. Anwendungsentscheidungen gehören in ärztliche Hand.